Willkommen
Was wird
Was war
Erinnerungen teilen
Gaestebuch
Schlussworte
Rundgang Januar 2004
Kontakt
Abschiedszeremonie

Abschlussrede des Kommodore FlaRakG 6
und Standortältesten,
Oberst Hartmut Oberfell

Oberst Hartmut Oberfell

FlaRakG 6 Kdore -
Ansprache Appell 28.06.02

Meine sehr verehrten Damen und Herren, geehrte Gäste, liebe aktive und ehemalige Kameraden !

Als Kommodore des FlaRakG 6 und Standortältester darf auch ich Sie alle aufs herzlichste begrüßen. Als ich vor mehr als acht Jahren im Juni 1994 meinen Dienst in der P-H-K antrat, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass es einmal meine Aufgabe sein würde, eine Einladung zur Außerdienststellung des Geschwaders, ja zur Schließung von Kaserne und Standort auszusprechen, und doch ist es genau so gekommen.
Meinem Stellvertretenden DivKdr bin ich zu großem Dank verbunden, dass er mir mit seiner Ansprache die Pflicht abgenommen hat, noch einmal die militär- und sicherheitspolitischen Überlegungen darzustellen, die der Neuausrichtung der Bw und den sich daraus ableitenden Konsequenzen auch für die FlaRak-Verbände vorangegangen sind. Herr General, nicht nur sind Sie dafür viel prädestinierter, mir hätte es wahrscheinlich an der nötigen Objektivität gefehlt und es wäre mir schwer von der Zunge gegangen. Und ich fürchte, selbst wenn ich mich in die Pflicht genommen hätte, was mir manchmal sogar gelingt, bei dem Anblick, der sich mir gerade jetzt von dieser Stelle bietet, alle guten Vorsätze wären vergessen gewesen und das Herz hätte über den Verstand gesiegt.

Außerdem ist mir heute wirklich nicht nach Sicherheits- oder Militärpolitik zumute und vielen von Ihnen mag es genauso gehen.

Meine sehr verehrten Gäste, liebe Kameraden, ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Kommen von ganzem Herzen! Sie haben es sich nicht nehmen lassen, den Abschied von Standort Lenggries, der für viele unter Ihnen auch einmal Ihr Standort war, gemeinsam mit der aktiven Truppe in der Prinz-Heinrich-Kaserne zu begehen. Ich bin sicher, Sie werden es nicht bereuen gekommen zu sein, dafür wollen wir Sorge tragen, das haben wir uns fest vorgenommen. – Überall werden Sie die Mühe spüren, die die Truppe sich gemacht hat und noch macht, um den letzten Appell zu einem Erlebnis werden zu lassen, das Sie in guter Erinnerung behalten. In diesen Wochen und Monaten finden besonders viele Veranstaltungen in den Verbänden der Bundeswehr statt und leider überwiegen dabei die eher traurigen Anlässe, bei denen Verbände aufgelöst, aus dem Einsatzauftrag entlassen, an einen anderen Standort verlegt werden oder gar der Standort geschlossen wird. Nach Ansicht vieler ist Lenggries dabei ein besonders tragischer Fall und obwohl auch wir Soldaten der P-H-K so denken, so wollen wir doch keine Traurigkeit aufkommen lassen.

Wir sind zwar alle emotional sehr stark berührt, doch wenn es schon kein leichter Abschied ist, so soll es wenigstens ein schöner werden! – Wir wollen trotz allem fröhlich sein und feiern, Gründe – obwohl wir zum Feiern noch nie welche gebraucht haben – gibt es wahrlich genug. Einer der wichtigsten ist dabei ganz sicher die Freude darüber, dass Sie, verehrte Anwesende, liebe Freunde und Kameraden, heute hier sind. Wir haben die Öffentlichkeit eingeladen, wir haben aber auch 1.500 Einladungen an Ehemalige verschickt, die Reaktion war von Anfang an überwältigend; und neben den vielen Hundert, die angereist sind, hat eine ähnlich große Zahl angerufen, geschrieben, Emails geschickt, uns Glück gewünscht und dabei selbst ihrer Dienstzeit im Isarwinkel gedacht.

Und wer wie ich die Gelegenheit hatte, diese Nachrichten, diese Botschaften zu lesen, der braucht nicht lang zu forschen, warum selbst viele ehemalige Wehrpflichtige von einer schönen Zeit in Lenggries schreiben, einen Lebensabschnitt, an den sich alle gerne zurückerinnern. Natürlich hat es was mit den Schönheiten des Isarwinkels zu tun, der so reizvollen Landschaft; die dem, der gerne draußen ist, zu jeder Jahreszeit unendlich viel bietet: Die malerischen Dörfer, die Wiesen und Felder, die Flußlandschaft der Isar – der „Reißenden“, wie sie manche auch erlebt haben – und vor allem die Lenggries umgebenden Berge bis hin zum Karwendel, dies alles mischt sich aufs Feinste und Beste zusammen zu einem Ganzen, wie man es als Standort nicht so schnell wieder findet. Jeder, der das Glück hatte, hier eine angemessene Zeit zu verbringen, hat es immer mal wieder verspürt, jenes ganz besondere Gefühl, das durch das „Isarflimmern“ geweckt wird. Und mittendrin in dieser Pracht unsere Prinz-Heinrich-Kaserne, schon ein bißchen betagt, etwas in die Jahre gekommen, aber gerade deshalb nicht weniger liebenswert, eben ein Zuhause.

Man muß sich ihr zu Fuß oder mit dem Fahrrad nähern, besonders im Winter den eigenen Atem spüren, wenn man durch die Wache geht, dann schätzt man es um so mehr, die Wärme hinter den dicken Mauern zu finden. Und wenn dann die aufgehende Sonne den Gipfel des Braunecks in gleißendem Licht erstrahlen läßt, dann können Sie es sicher nachvollziehen, dass die meisten von uns mit keinem anderen tauschen wollen und unsere unzähligen Besucher uns um dieses Fleckchen Erde beneiden.– Glauben Sie es mir, ich könnte noch so manches hinzufügen, was mir und vielen anderen diese Landschaft gegeben hat, ohne etwas dafür zu verlangen. Auch für die vielen sehr stillen Tage bin ich unendlich dankbar.
Und doch ist es nicht das Äußere alleine, was diesen Standort von Anfang an so attraktiv gemacht hat. Als die ersten Soldaten der Bw im September 1973 von Lindau kommend, mit Marsch und Gesang in die P-H-K einmarschierten, fühlten sie sich willkommen.
Ich habe mit etlichen gesprochen, die damals mit dabei waren, und einige sind heute hier unter uns – einer, ein letzter, ist sogar mit angetreten - und werden es gerne bestätigen. Gut, es waren Angehörige der Luftwaffe und nicht – wie erhofft – Gebirgsjäger, aber es waren eben Soldaten, und so gab es nie Berührungsängste oder Vorbehalte.
Während man vielerorts über die Notwendigkeit der Integration der Bw in die Gesellschaft sprach oder schrieb, hatte man hier in Lenggries das beste aller Verhältnisse, nämlich ein normales, und das bedeutete, man konnte sich auch mal auf die Füße treten und blieb doch freundschaftlich verbunden.

Wenn mehr Zeit zur Verfügung stünde, könnte, ja müßte man dies an Namen festmachen und da gäbe es viele zu nennen. Altbürgermeister und Bürgermeister, Gemeinderäte und Vereinsvorstände, Kommandeure, Chefs, Spieße und viele andere mehr.
Besonders intensiv und prägend war über alle Jahre hinweg die Freundschaft mit den vielen Veteranen-, Krieger-, Soldaten- und Reservistenvereinen, mit den Gebirgsschützen, Militärstammvereinen und Traditionsgemeinschaften. Und auch das war nicht immer einfach, zu einem gemeinsamen Verständnis von Tradition zu kommen, nicht nur hinter den Fahnen herzulaufen, sondern auch zu wissen warum.

Wir haben uns hier gegenseitig befruchtet, haben viel voneinander gelernt, sind echte Freunde geworden. Dass heute so viele Fahnenabordnungen hier sind, ist der beste Beweis dafür und gibt uns die Gelegenheit uns so zu verabschieden, wie es unserem Charakter entspricht: Eingebunden in die Heimat.
Nicht nur mir war es immer eine Ehre, mitantreten zu dürfen, gemeinsam unserer Gefallenen zu gedenken, Ansprachen am Volkstrauertag zu halten, das ging vielen mit und vor mir so.

Besonders am Herzen lagen mir von jeher die Reservisten und ich wünschte, ich hätte hier noch mehr getan. Es freut mich natürlich ganz besonders, dass auch zahlreiche Fahnenabordnungen der Reservistenorganisationen gekommen und mitangetreten sind.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich bin mir der Tatsache voll bewußt, dass Reden für Zuhörer nicht kurz und für die Redner selbst nie lang genug sein können. Da aber heute Abend beim Ehemaligentreffen der Kommandeur und Kasernenkommandant OTL Damaschke verabredungsgemäß das Wort ergreifen wird, habe ich nicht so schnell wieder die Gelegenheit, einige Dinge anzusprechen, die gesagt werden müssen, weil sie sonst für immer ungesagt blieben.

Gestatten Sie mir also, dass ich noch einige wenige Gedanken über die Hauptbeteiligten am heutigen Abend anfüge, die Soldaten und zivilen Arbeitnehmer meines Stabes und der FlaRakGrp 33.

Liebe zivile Mitarbeiter und Kameraden!
Ich verabschiede mich nicht von Ihnen, Sie werden mir auch weiterhin unterstellt bleiben, ich möchte mich aber gerade deswegen bei Ihnen heute besonders herzlich bedanken, denn Sie waren es, die all die Dinge, die ich eingangs angesprochen habe, mit Leben erfüllten.
Sie haben die Kontakte zum zivilen Umfeld gehalten, haben mitgewirkt in Vereinen, Kirchen, Schulen und vielen anderen sozialen oder karitativen Einrichtungen. Sie haben Altennachmittage durchgeführt, die Tore der Kaserne geöffnet, unzählige Besucher betreut. Ob Lions Club oder Rumänienhilfe, Kinderverkehrsschule oder Sportwettkämpfe, immer hat sich jemand gefunden, der freiwillig und zusätzlich Dienst geleistet, geholfen hat.
Dutzende Male wurden Abordnungen zusammengestellt, um in der näheren oder weiteren Umgebung Flagge zu zeigen, die Bw zu vertreten. Ob in Gmund oder Dürnbach, Bad Tölz, Miesbach oder Lenggries, am Volkstrauertag waren wir präsent. Ob beim Kriegsgräbereinsatz in Italien oder in Frankreich, ob bei Katastrophen oder Nothilfen, Soldaten aus der P-H-K waren da und haben wie selbstverständlich geholfen. Gut, es waren meist dieselben, aber so ist es heute eben überall.

Viel ist passiert in den letzten 30 Jahren und so manches ist in der vielbändigen Chronik verzeichnet und nicht alles war gut, wie könnte es auch anders sein. Kaum ein Paragraph des Strafgesetzbuches wurde ausgelassen und auch WDO und Wehrstrafgesetz kamen nicht zu kurz. Wir hatten Tote zu beklagen und nichts Menschliches blieb uns fremd. Es war oft nicht leicht, auch nicht während meiner acht Jahre.

Wir haben zusammen gefeiert und haben zusammen getrauert, so wie es im Leben eben ist, aber eines sind wir dabei immer geblieben: Eine feste, geschlossene Gemeinschaft, geprägt von tiefem gegenseitigen Vertrauen. Dies habe ich von meinen Vorgängern als Erbe übernommen, es war auch mir immer das Wichtigste und dies wird sich in meinen letzten 15 Monaten nicht mehr ändern. Mit Strukturen und deren Veränderungen hat dies ohnehin nur wenig zu tun. Strukturen sind allemal nur Mittel zum Zweck, Zielsetzung können sie nicht sein. Organisationen, wie ausgefeilt sie auch immer von irgendwelchen Experten und Strategen ersonnen und konzipiert werden, bleiben leere Hülsen, wenn nicht engagierte Menschen in ihnen wirken und dienen.

Und mit dem Dienen, da tun sich halt viele schwer. Auch unser Minister hat neulich gesagt: „Dienen ist in der heutigen modernen Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit mehr.“

Wo gibt es ihn noch, den jungen Menschen, der sich persönlich als „geborener Verteidiger des Vaterlandes“ sieht und in die Pflicht nehmen läßt ? Jeder Soldat schwört oder gelobt, der BRD treu zu dienen, Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen; dieser Satz muß eine ungeheuer abschreckende Wirkung ausüben, oder wie soll man sonst die 182.000 Verweigerer im Jahre 2001 verstehen?

Immer größere Teile der Gesellschaft sehen die SK zunehmend als eine Art Dienstleistungsbetrieb für riskante Aufgaben. Die soziale Distanz zwischen SK und Zivilgesellschaft wird tiefer, ohne Wehrpflicht wäre die Gefahr der Abkoppelung noch größer.

Mit dem Begriff „Vaterland“ kann man größtenteils sowieso nichts mehr anfangen. Dabei ist aus meiner Sicht die Liebe zum Vaterland und der Respekt vor der eigenen Kultur eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit eines Volkes. Ohne sie ist auch Integration anderer kaum möglich. Das sind keine neuen Erkenntnisse. Wir sollten trotzdem einmal darüber nachdenken, wenn wir nachher beim Abspielen der Nationalhymne das Deutschlandlied mitsingen.

Die hier angetretenen Fahnenabordnungen stehen stellvertretend für die Vereine, die zum Teil seit Jahrhunderten Ideen verkörpern, wie sie eine wirksame Abwehr der Bedrohung für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde erfordern. Tradition wird nicht als Show gepflegt, als folkloristisches Beiwerk eines festlichen Geschehens, sondern sie drückt eine Haltung und innere Gesinnung aus, die weit wichtiger ist als das äußere Erscheinungsbild. Auch wenn das Bild der Feuerwehrleute, die in den Trümmern des WTC die US-Flagge hißten, als Zeitdokument um die Welt ging, so ist Fahnenkult weder naiv noch amerikanisch. Fahnen, auch die hier angetretenen, sind immer optimistisch in die Zukunft weisende, Einheit fordernde Symbole. Wer sich unter die Fahne stellt, gehört dazu, steht nicht abseits. Solange die Fahne noch weht, ist die Sache nicht verloren.

Manche verkennen und verwechseln dies. Dabei ist es keineswegs eine altmodische Einstellung, eher umgekehrt, denn gerade in unserer, durch die Internationalisierung und die Globalisierung geöffneten, aber dadurch auch in Unruhe gestürzten Gesellschaft braucht der Mensch dringender denn je ein Fundament, ein Gefühl der Beständigkeit, der Sicherheit des Daheimseins. Leider erkennen wir dies immer erst dann, wenn sich etwas Schreckliches wie in New York oder in Erfurt ereignet hat. Dann sprechen alle Redner vom Zusammenrücken, von Gemeinsamkeit und Gemeinsinn. Dann wird man sich plötzlich wieder bewußt, dass Gesellschaft und Gemeinschaft ein Begriffspaar bilden. Kaum jemand wird allerdings bereit sein, sein Leben für eine "Gesellschaft“ einzusetzen, sehr wohl aber für die "Gemeinschaft“, wenn man sich ihr verbunden fühlt.

Auch der Dienst an der und für die Gemeinschaft gehört aus meiner Sicht dazu, und da ist der Wehrdienst in einer Bw, wie ich sie in fast 40 Jahren als Soldat kennengelernt habe, mit Sicherheit ganz weit oben einzustufen. Lenggries und die vielen tausend Soldaten, die hier gedient haben, sind immer mit dabei gewesen. Wir Soldaten sprechen nicht vom Gemeinsinn, bei uns heißt dies Kameradschaft und diese Kameradschaft über alle Dienstgrade hinweg ist die innere Stärke der Truppe. Sie bricht die Dominanz des Verstandes, des Administrativen und des Funktionierens zugunsten des Herzens und des Gemüts. Soldaten wissen gerade heute, dass sie in eine Schicksalsgemeinschaft eingebunden sind, bei der es auch um den Einsatz des eigenen Lebens und die Entscheidung über das Leben anderer gehen kann. Es ist wieder wichtig und man prüft genau, mit wem man in den Einsatz geht. Unsere Rückkehrer aus dem Balkan, aus Usbekistan oder Afghanistan können diese Feststellung bestätigen. Deshalb ist Kameradschaft weit mehr als eine Zweckgemeinschaft, wie sie zwischen Kollegen, Mitarbeitern oder Kommilitonen besteht. Sie ist auch keine Sozialhygiene. Obwohl im Soldatengesetz verankert, entsteht sie nicht auf Befehl und läßt sich nicht erzwingen. Kameradschaft ist vielmehr Teil der soldatischen Persönlichkeit, muß sich von innen entwickeln, ausgefüllt werden und lebendig sein. Im Idealfall ist sie ein gewachsenes Band innerlich freier Menschen.

Ich hatte das Glück, dass ich Kameradschaft immer wieder erleben durfte, bei Ihnen, den Angehörigen meines Geschwaders, ganz besonders und dafür danke ich Ihnen.

Dank sagen möchte ich auch allen, die für die Organisation dieses Wochenendes verantwortlich sind. Es war sehr viel Arbeit, alles zu planen, nichts zu vergessen, nie das Ziel, die Absicht aus den Augen zu verlieren. Aus der Art und Weise, wie Sie die Aufgabe angepackt haben, habe ich meine Motivation geholt. Risiken mußten eingegangen werden. Geld stand, wie immer, nicht zur Verfügung und noch wissen wir nicht, ob alles klappen und Ihnen gefallen wird. Einen ganz wichtigen Teil hat das Luftwaffenmusikkorps 1 aus Neubiberg übernommen, das uns heute und auch morgen unterstützen wird. Ich möchte an dieser Stelle Herrn OTL Orterer und seinen Soldaten ganz herzlich dafür danken, dass sie uns bei zahllosen Veranstaltungen, wie z.B. Benefizkonzerten, Weihnachtsgottesdiensten und militärischen Appellen immer wieder große Freude gemacht haben. Meine höchste Anerkennung!
Ich freue mich schon auf die Serenade um 21.45 Uhr!

Sehr verehrte Gäste, liebe Kameraden !
Wenn der Stellvertretende Divisionskommandeur nun den Stab des FlaRakG 6 und die FlaRakGrp 33 bis auf die 1. Staffel aus dem Einsatzauftrag entlassen wird, geht für die FlaRak-Truppe ein Kapitel zu Ende. Symbolisch werden wir die NATO-Flagge einholen. Umfangreiche Personal- und Materialbewegungen sind eingeleitet und werden nun realisiert. Der weitaus größte Teil der Soldaten ist unterrichtet, wie es persönlich weitergeht, nur wenige Entscheidungen stehen noch aus.

Ich bin sehr froh darüber, dass eine komplette Staffel in dem neuen Verband in Leipheim die bewahrenswerte Tradition und Geschichte der FlaRakGrp 33, der Gruppe, die als einziger Lw-Verband ein Edelweiß im Wappen hat, fortführen kann und wird. Auch die Soldaten des Stabes, der Stabs- und VersStff, die nach Leipheim gehen und zusammen mit den Kameraden der Grp 34 und 43 neue Einheiten bilden, wurden mit Bedacht ausgewählt und sind wahrlich nicht die schlechtesten. Unsere besten Wünsche begleiten sie.

Ich werde auch weiterhin ein wachsames Auge auf den Fortgang der Planungen richten und für Unterstützung bei der Überwindung von Hindernissen sorgen, bin mir aber jetzt schon sicher, dass die 33er auch an ihrem neuen Stationierungsort ein gutes Bild abgeben werden, alle Zeichen deuten darauf hin. Ende 2003 soll die Prinz-Heinrich-Kaserne leer sein und anderen Bestimmungen zugeführt werden, welchen, das steht noch in den Sternen.

Am 03.10.1936 rückte das II. Btl GebJgRgt 100, später 98, in diese Kaserne, die von Anfang an P-H-K hieß, ein. Auch in den 26 Jahren, in denen sie den US-Streitkräften als Heimat diente, hat sie diesen Namen behalten.Auf 30 Jahre Bw in der P-H-K blicken wir nächstes Jahr zurück.

Dieser Prinz Heinrich, Träger des Militär Max-Joseph-Ordens, der höchsten bayer. Tapferkeitsauszeichnung, Wittelsbacher und Neffe von Ludwig III., dem letzten König von Bayern, ist am 08.11.1916 in Rumänien, am Monte Sate, in seinem Zelt an einer Schußverletzung gestorben. Der ihn begleitende Prof. Dr. Günther Freiherr von Pechmann schrieb später in seinen Kriegserinnerungen:
„Das KBIL hatte nicht nur einen seiner tapfersten Führer, sondern auch seinen besten Fürsorger verloren.“ Besseres kann man kaum über einen Soldaten sagen.

Ich erhoffe mir, dass auch die Kaserne, die bis heute seinen Namen trägt, einer guten Zukunft entgegengehen möge.Ich danke Ihnen für Ihre Geduld und wünsche uns allen noch viel Freude an diesem Wochenende !

 

Abschlussrede des
Kommandeurs
FlaRakGrp 33
OTL Heinz Damaschke

Oberstleutnant Heinz Damaschke

FlaRakGrp 33 Kdr –
Ansprache Ehemaligentreffen 28.06.02

Meine sehr verehrten Gäste, liebe Kameraden,

als Kommandeur der FlaRakGrp 33 und Kasernenkommandant darf ich Sie alle hier in der Prinz-Heinrich-Kaserne begrüßen und willkommen heißen.

Mit mir freuen sich alle Angehörigen der Standorte Lenggries, Bad Aibling und Erding, daß Sie trotz manch anderer Verlockungen und Freizeitangebote heute zu uns gekommen sind. Nach dem vollzogenen Appell, der Entbindung vom Einsatzauftrag begehen wir jetzt das Ehemaligentreffen eingebettet von einer Serenade, einer kleinen Überraschung -wenn es denn funktioniert und das Wetter mitspielt- und ein Feuerwerk. Vielen erscheint es ungewöhnlich, daß wir zum Ehemaligentreffen auch die Bevölkerung eingeladen haben. Dies geschah als Dank für die freundliche Aufnahme an den einzelnen Standorten. Die Offenheit der Bürger war ein gutes Zeichen für das sich entwickelnde außergewöhnliche Verhältnis zwischen der Bevölkerung mit ihren Bürgern in Uniform.
Deshalb herzlich willkommen meine Damen und Herren

Ich kann im folgenden natürlich nicht alle Ehemaligen namentlich erwähnen und werde mich auf einige wenige beschränken. Ich weiß auch, daß Sie nicht hierhergekommen sind, um lange Reden zu hören oder sich die gesamte Chronik der beiden Verbände vorbeten zu lassen. Das wird dem heutigen Abend und dem morgigen Tag vorbehalten bleiben. So gestatte ich mir stellvertretend für alle Ehemaligen des FlaRakGeschwaders 6 und der Vorläuferorganisationen Herrn GenMaj Maeßen, jetzt Chef des LwAmtes zu begrüßen. Herzlich Willkommen. Für alle Ehemaligen der FlaRakGruppe 33 begrüße ich recht herzlich unseren Stellvertretenden Befehlshaber LwFührungskommando, Herrn GenMaj Kurth.
Stellvertretend für alle Vertreter der Politik begrüße ich gern unseren alten Fernmeldesoldat der Stabsstaffel, den OGefr d.R. Werner Weindl, unseren 1. Bürgermeister. Jetzt begrüße ich pauschal alle Vertreter aus der Politik und Wirtschaft, von Kirche und Presse. Herzlich Willkommen.

So, damit wäre meine Begrüßung eigentlich beendet, aber gestatten Sie mir noch einige Grüße auszurichten und Danke zu sagen.
Als wir unsere Verabschiedungen für dieses Wochenende geplant hatten, überlegte sich Hptm Mayer auch ins Internet zu gehen. Dies hat er getan und ein Gästebuch eingerichtet, ein Forum, wo jeder seine Gedanken und Grüße eintragen konnte. Und aus diesem Gästebuch möchte ich jetzt einige Einträge vortragen.

Rudolf vor
Eigentlich sollte hier Rudolf Scharping das erste Wort haben.... aber darauf werden wir wohl vergeblich warten. Allerdings bin ich gespannt, was die betroffenen zu sagen haben. Gruß von R.Mayer

Und hinter R. Mayer verbirgt sich Frau Renate Mayer, die über zwei Monate unsere Homepage mit Gästebuch betreut hat. Dafür, für die geleistete Arbeit, zusätzliche Belastung und daß Sie die Homepage als Web-Masterin noch weiter betreuen will, unser aller aufrichtiger Dank und ich glaube, dies ist ein Applaus wert.

Übrigens werden von allen Veranstaltungen dieses Wochenendes Fotos gemacht die am folgenden Tag unter www.Prinz-Heinrich-Kaserne.de abgerufen werden können.
So ein Blick in dieses Forum und Gästebuch läßt einige Kuriositäten und spezielle Grüße erkennen von denen ich nur einige vortragen will.

Fangen wir an mit dem Spielmannszug Natenstedt-Twistringen (das liegt kurz vor Ostfriesland): Ich kenne zwar diesen Stützpunkt nicht. Ich war auch nie bei der Bundeswehr. Trotzdem kann ich verstehen, daß es schwerfällt diesen Stützpunkt nach so einer langen Zeit zu verlassen. Ich wünsche allen Kameraden(wenn ich denn so sagen darf) alles Gute in ihrem weiteren Leben. Carsten Schütte
P.S.: Schöne Grüße auch an Buchse (Frank Burgsmüller)

Herr Oberfeldwebel Burgsmüller, Sie sind gemeint.

Ein weiterer Eintrag:
Liebe STOV´is, Kollegen und alte Bekannte von der „gegnerischen Seite“ Ich grüße alle und hoffe am letzten Juniwochenende viele von euch zu treffen, um den einen oder anderen Tratsch zu halten.Beste Grüße mit Freude auf ein Wiedersehen, Hans Berger.

An dieser Stelle, meinen besonderen Dank an die STOV´is die uns bei allen Vorbereitungen so tatkräftig unterstützt haben und auch heute abend im Einsatz sind.
Interessant waren auch die Eintragungen der Grundwehrdienstleistenden, von denen heute auch sehr viele da sind und die ich ganz besonders herzlich grüßen möchte. Sie reichten von
Servus Kameraden
A nette Hompätsch habt ihr da zam gebastelt. Grüße an die gesamte Stabsstaffel, vor allem an den II.Zug. Viel Spaß ihr Sauhaxen. Matthias Lang aus Illertissen

über

Hallo Leute, ich möchte die ganze VersStaffel grüßen, besonders die SEA-Inst mit denen ich 8 Monate verbracht habe. Lasst es nicht dunkel werden. Alexander Spis

bis zu

Immer eine bleibende positive Erinnerung habe ich , wenn ich an Lenggries denke. Für mich waren dies entscheidende Monate meines Lebens. Auch wenn ich nur Grundwehrdienstleistender war, waren diese 8 Monate für mich sehr entscheiden für die Charakterbildung.Es ist schade, sehr sehr schade.Christian Gudrich

So, es dauert nicht mehr lange!

Weiter geht’s mit: Und die positive Erinnerung bleibt
Der Bw-Standort Lenggries stirbt, aber nicht die Erinnerung. Und ich erinnere mich gern an die Zeit, die ich nicht missen möchte, zurück. Nun einige Jahre älter und damit vielleicht noch intensiver. Die Erinnerung holt mich jedesmal ein, wenn ich das Büro von Herrn Grabmeier, betrete. Dort erblicke ich so manches Erinnerungsstück, das auch meine Gedanken zurückkehren läßt. Im Mittelpunkt steht dabei ein Bild der Prinz-Heinrich-Kaserne am Fuße des Brauneck. So möchte ich es nicht versäumen, diejenigen auf diese Weise zu grüßen, die ich aus meiner Zeit (April 81 – Dezember 82) noch in guter Erinnerung habe. Dies wären Rosemarie Holland, Gerhard Frey, Mike Raphelt und Werner Weidele. Ich werde dem Standort sowie der Gemeinde Lenggries immer verbunden bleiben. Es grüßt aus Goose Bay, Canada/Labrador, Hans Karl.

Hier wurden wieder Namen genannt, die ich im folgenden aufgreifen möchte.

1. Werner Weidele, Stabsfeldwebel und Spieß Vers unser letzter aktiver Soldat in der Gruppe, der noch am Standort Lindau gedient hat. Herzlich Willkommen

2. Herr Grabmeier, er war von 1978-1993 Leiter der STOV-Außenstelle Lenggries – hat jetzt ein Büro in Goose-Bay auf Labrador in Kanada und damit die weiteste Anreise zu unserem Treffen gehabt. Seien Sie uns gegrüßt.

Ich komme jetzt zum letzten Webseiten Teil, dem Amerika-Teil

Es schreibt ein Tom P. aus USA:
Hello to all at Prinz Heinrich Kaserne, I never forget my time at the post in 1966 and also my return in 1999 to visit, the guards at the main gate were very nice to me and my friend. I wish all the very best and wish I could be with you in june 2002 .....what a beautiful Kaserne to be at in the military! May God Bless You All Ciao / Cheers Tom P. USA

Und mein letztes Zitat im Orginaltext
An die Soldaten von Lenggries – Alles Gute aus weiter Ferne
Kamaraden: Ich war mal US Offizier mit die 3/26 FlaRak in Ostfriesland (Nike Hercules). Die Nike ist weg und langsam kommt die gute alte Hawk dran (bei den Amerikaner hat nur noch die US Marines die Hawk). Ich kenne noch die Lenggrieser Kaserne vor meiner Militärzeit – da mein Vater in Lenggries stationiert war als Spiess in die Funfziger Jahren. Vor den Amerikaner gab es dort die Gebirgsjäger, dann eine Ersatzeinheit – dann kam die Amerikanische Hunde Schule, Funker Schule, und Nachschub Schule und zuletzt in 1973 die Deutsche Luftwaffe. Die Prinz Heinrich Kaserne hat viel miterlebt in ihre Zeit. Lenggries war seit langer Zeit eine Garrison Stadt und das kommt jetzt zu ende. Ich wunsche die Luftwaffen Soldaten das aller beste fur die Zukunft und viel Erfolg. Ich hoffe das die Gemeinde Lenggries die schone Prinz Heinrich Kaserne nicht abreisst sondern fur einen guten Zweck benutzt. Mit freundliche Grusse aus weiter, Ferne, Charles Everett Jr., Leutnant ausser dienst, United States Army Fliegerabwehr, Fredericksburg, Virginia, USA.

Meine Damen und Herren, jetzt schlage ich das Gästebuch zu.
Ich will jedoch noch einen ehemaligen Soldaten begrüßen, der nicht bei der FlaRak gedient hat sondern eine Heeresuniform trug. Und das hat seinen Grund. Oberstleutnant a.D. Günter Schneider, Mitglied des Ältestenrates des Kameradenkreises der Gebirgsjäger erblickte in der Lenggrieser „Jagerkaserne“ am 11.August 1937 das Licht der Welt. Wie es dazu kam? Es war nicht unüblich, daß insbesondere Kompaniefeldwebel früher mit ihrer Familie in der Kaserne wohnten. Vater Alfons Schneider, Kompaniefeldwebel der 8./100 später 8. schwGebJägerRegiment 98 war von Anfang an in Lenggries mit dabei und so kam es, daß Sohn Günther seine Kindheit bis zum Kriegsende in der Prinz-Heinrich-Kaserne verbrachte.

Herzlich Willkommen Herr Schneider!
Und ich meine, dies ist eine Geschichte, die die Politiker zum Nachdenken bringen sollte, wenn man über Attraktivitätsprogramme und Nachwuchswerbung redet.

Nun ist aber Schluß, ich habe genug geredet, ich bedauere wenn ich jemanden gelangweilt habe, ich habe absichtlich nicht über sicherheitspolitische Rahmenbedingungen und die Erneuerungen der Bundeswehr von Grund auf geredet, ich bedanke mich auch im Namen des Kommodores bei allen Organisatoren und Helfern – ich habe gesehen, wieviel Schweiß es in den letzten zwei Wochen gekostet hat –
Ich bedanke mich beim Festwirt, unserem Herrn Altmann und seinem Team und ich wünsche uns allen heute, morgen und Sonntag noch viel Spaß und Freude, viele nette Gespräche, und bis bald mal, vielleicht in Leipheim.

 

nach oben